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Aktuelle
Forschungsschwerpunkte der Alzheimer-Krankheit
P.
Dal-Bianco, Univ.Klinik f. Neurologie AKH Wien
Die Alzheimer-Krankheit
ist gekennzeichnet durch eine chronische langsam progrediente Einbuße der
Gedächtnis- und Merkfähigkeit. Etwa 100.000 Österreicher leiden an dieser
Krankheit, weitere 200.000 Personen sind indirekt über Pflegeleistungen
mitbetroffen.
Klinischer
Forschungsschwerpunkt in den kommenden Jahren ist daher die Früherkennung,
Prophylaxe und Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Große Aufmerksamkeit
richtet sich daher auf die Erkennung des präklinischen Stadiums dieser
Erkrankung, d.h.: Diagnosestellung vor dem Ausbruch der kognitiven Leistungseinbuße.
Denn diese Erkrankung geht mit Transmitter- Synapsen-, und Zellverlust
einher, zeigt eine Eiweißanhäufung (Betaamyloid) in Form von extrazellulären
senilen Plaques und intrazellulär neurofibrilläre Tengels (Eiweißstrukturen),
die besonders in Schläfe- und Scheitellappen, später auch im Stirnlappen
nachweisbar sind. Die oben beschriebenen Veränderungen treten Jahre bis
Jahrzehnte (!) vor Ausbruch der klinischen Symptomatik auf.
Forschungsziele
sind daher biologische Marker (in Körperflüssigkeiten) und minimale klinische
Frühsymptome zu erkennen.
Erste
klinische Symptome betreffen das Wortgedächtnis (Hypocampusveränderung),
im Verlauf eingeengter Sprachschatz, Nachlassen der örtlichen Orientierung
sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsbeeinträchtigungen uam..
Die
biologischen Marker sind zurzeit der Nachweis von Eiweißstrukturen im
Liquor (A Beta 42 Amyloid, Tauprotein) und die Volumetrie der hypocampalen
Schläfelappen-Struktur. Allerdings wird die Bewertung dieser Ergebnisse
durch die interpersonelle Variabilität eingeschränkt.
Die
Methode der funktionellen Gehirndarstellung mittels Kernspintomographie
und Positronen-Emmissions-Tomographie ist ein großer Hoffnungsträger für
die Früherkennung der Alzheimer-Krankheit. Ziel ist es, Alzheimer-Risikopersonen
-das sind Personen mit geringer kognitiver Einbuße im Alltag, positiver
Alzheimer-Familienanamnese, homozygoter Apo-E-esilon 4-Anlage, erniedrigtem
A-Beta-42-Protein und erhöhtem Tauprotein im Liquor- im Rahmen einer anspruchsvollen
neuropsychologischen Testsituation mit oben genannten Methoden (MRT und
PET) zu untersuchen:
Jene
Risikopersonen, die im Alltag keine oder nur geringe Gedächtnisschwächen
bemerken, jedoch große Hirnareale zur Bewältigung der Testaufgaben nachweislich
im MRT und PET benötigen- also ihr Defizit mühevoll kompensieren
müssen- sind Patienten, die für eine Präventivbehandlung in Frage kommen.
Den
Therapie-Goldstandard erfüllen derzeit die Cholinesterasehemmstoffe.
Darüber
hinaus gibt es Anzeichen, daß eine chronische Minderdurchblutung des Gehirns
zu einer rascheren klinischen Kippsituation degenerativ Erkrankter führt:
aus diesem Grund muß auch die Durchblutungssituation dieser Patienten
abgeklärt und im Bedarfsfall behandelt werden.
Im
Bereich der Grundlagenforschung ist es gelungen, sogenannte transgene
Mausmodelle zu entwickeln, die wie bei der menschlichen Alzheimer-Krankheit
das Amyloid-Vorläuferprotein in senilen Plaques außerhalb der Zelle sowie
Tauprotein innerhalb der Zelle ablagern.
Diese Modelle sind
zunehmend wertvoll für die Beurteilung von Hirngewebsreaktionen auf neue
Medikamente. Aufgrund dieses transgenen Mausmodells konnte z.B. ein Impfstoff
entwickelt, der bei Mäusen (noch nicht erwiesenermaßen beim Menschen)
die Bildung der Alzheimer-Plaques verhindert.
Quelle/Für den
Inhalt verantwortlich: P. Dal-Bianco, Univ.Klinik f. Neurologie AKH
Wien
Datum der letzten inhaltlichen Aktualisierung / Revision: September
2000 |
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