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arztinformation
Brustultraschall
- Mammasonographie
Dr.
Harald Kirchler, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Die
Mammasonographie ist ein bildgebendes Verfahren, das aus der Diagnostik
von Mammabefunden nicht mehr wegzudenken ist. Dabei muß gleich zu Beginn
einem wichtigen Mißverständnis begegnet werden, demzufolge die Ultraschalluntersuchung
der Brust in Konkurrenz zu anderen diagnostischen Verfahren, insbesondere
der Mammographie, gesehen wird. Die Sonographie der Brust ist ein Verfahren,
das die Mammographie ergänzt, diese nicht ersetzt und zusammen mit ihr
eine diagnostische Einheit ergibt in der Abklärung eines Mammabefundes.

Weiterhin
muß bedacht werden, daß weder die Sonographie noch die Mammographie ein
Verfahren darstellt, das einen histologischen Befund des Drüsengewebes
bzw. eines Herdbefundes liefern kann; das sonographische Bild eines Herdbefundes
weist lediglich in den meisten Fällen eine Korrelation zum histologischen
Befund auf.
Voraussetzung zur Durchführung der Mammasonographie ist die Fähigkeit,
eine Mammographie interpretieren zu können. Jeder Palpationsbefund ist
mit einer technisch einwandfreien Mammographie abzuklären. Bei Kontrollen
von Zysten, Fibroadenomen und Entzündungen kann im Intervall
auf die Mammographie verzichtet werden. Bei Kindern, Jugendlichen und
Schwangeren ist primär die Sonographie einzusetzen. Die Untersuchung
erfolgt in Rückenlage bei hyperabduziertem Arm mittels Liniarschallkopf
von 7,5 MHZ (auch Breitband 5 10 MHZ und höher) in transversalen
und sagittalen Ebenen und sollte auch die Axilla miteinbeziehen.
Die
Mammasonographie ist vor allem zu Abklärung von Palpationsbefunden wertvoll
und eignet sich nicht zum Screening. Der bei Mammakarzinomen häufig vorhandene
Mikrokalk kann mit der Sonographie übersehen werden und ist mit der Mammographie
abzubilden. Die wesentlichste Aufgabe der Mammasonographie liegt in der
Differenzierung von soliden und zystischen Läsionen.

Zysten
sind meist echoleer mit dorsaler Schallverstärkung, zarten Wandkonturen,
rund oder oval, gelegentlich lobuliert und septiert. Kleine Zysten, zelluläre
Sedimente, dickes Sekret oder Blut als Inhalt erschweren die Beurteilung.
Solide Mammaläsionen können benigner und maligner Genese sein. Dies läßt
sich sonographisch gelegentlich differenzieren, es bestehen allerdings
fließende Übergänge zwischen gut- und bösartig.

Fibroadenome
sind oval, bisweilen lobuliert, echoarm, scharf begrenzt mit Randschatten,
dorsaler Schallverstärkung, evt. Kalkschatten und lassen sich auf Kompression
verdrängen.

Das
klassische Mammakarzinom ist echoarm, inhomogen, unscharf begrenzt,
bewirkt eine Zerstörung der anatomischen Strukturen und hat eine starke
dorsale Schallauslösung.
Es gibt aber Übergänge von echoreich bis zystisch, selbst gutartige Tumoren
können imitiert werden. Ein rein intraduktes Tumorwachstum kann sich der
sonographischen Darstellung entziehen.

Entzündliche
Veränderungen
der Brust sind mitunter schwierig vom inflammatorischen, zystischen oder
nekrotischen Karzinom zu unterscheiden, da ähnliche klinische und sonographische
Symptome bestehen können.
Die
Cellulitis ist durch eine verdickte echogene Cutis und Subcutis mit erweiterten
Lymphspalten gekennzeichnet. Abszesse sind je nach Reifegrad zystoid,
inhomogen und haben eine dorsale Schallverstärkung und einen dicken echoreichen
Randsaum (Abszessmembram).
Posttraumatische, postoperative und postradiogene Läsionen sind immer
Kontext mit der Symptomatik sonographisch zu bewerten.
Die
Mammasonographie ist zudem für geführte Punktionen äußerst hilfreich und
erhöht die diagnostische Treffsicherheit.
Die
adjuvante Sonographie der Axilla dient vor allem der Beurteilung des Lymphknotenstatuses,
woraus sich differenzialdiagnostische Überlegungen einer sonographisch
untersuchten Mammaläsion eröffnen können.
Farbkodierte,
gepulste Dopplersonographie:
Die
farbkodierte, gepulste Dopplersonographie ist die Methode, mit der die
meisten Untersucher die sonographische Durchblutungsuntersuchung von Herdbefunden
der Mamma durchführen. Deshalb soll sie hier etwas ausführlicher beschrieben
werden.

Bei
dieser Methode wird das empfangene Dopplersignal aus dem Blutfluß durch
Farbe kodiert. Die Blutflußgeschwindigkeit wird in verschiedenen Farben
und Helligkeiten kodiert. Die Richtung des Blutflusses ist bei dieser
Untersuchung unwichtig. Gefäße, deren Lumen unter dem Auflösungsvermögen
im B-Bild liegen, können so indirekt (über ihren Blutfluß) sichtbar gemacht
werden. Durch die Farbkodierung können aus der Farbe zusätzliche Informationen
gewonnen werden. Eine Analyse der Dopplerflußkurve ist mit dem Duplexdoppler
zusätzlich möglich. Dessen Dopplerfenster wird genau in das farbige Gefäß
gelegt.
Maximum
entropy method (MEM)
Im
Vergleich zum konventionellen Dopplerprinzip, das nur minimale Blutflußgeschwindigkeiten
von ca. 1-3 cm/s erfassen kann, kommen mit dieser Farbtechnik extrem langsame
Flußgeschwindigkeiten (minimal 0,1 mm/s) exzellent zur Darstellung.
Diese
Eigenschaften versprechen, daß MEM speziell in der Darstellung des langsamen
Blutflusses, wie er beispielsweise in Tumoren oder der Organdurchblutung,
neue Möglichkeiten eröffnet.

Die
besten reproduzierbaren Parameter zur Charakterisierung einer Dopplerkurve
scheinen die aus den Pulskurven errechneten Dopplerparameter (Resistenzindex,
Quotient, Pulsatilitätsindex) zu sein. Diese Parameter beschreiben zwar
eine Pulskurve nur sehr unvollständig, da sie nur die maximale Systolenhöhe
und die Enddiastolenhöhe berücksichtigen, doch sind sie die Werkezeuge,
um eine Dopplerprofilkurve am objektivsten zu charakterisieren.
Man
verwendet in erster Linie den Resistenzindex, um die Pulskurve zu charakterisieren,
da er eine Größe zwischen 0 und 1 darstellt und somit in Prozentzahlen
den Gefäßwiderstand ausdrücken kann.

Zur
Charakterisierung eines Tumors verwenden die meisten Untersucher nur den
geringsten Resistenzindex, den sie im Tumor oder dessen unmittelbarer
Umgebung registrieren können. Dies geschieht aus der Überlegung heraus,
daß der Unterschied zwischen malignen und benignen Tumoren sich im Bereich
der Kapillaren zeigt, wo sich die Neovaskularisation abspielt. In diesen
Gefäßabschnitten herrschen sehr geringe Widerstände. Der höhere Blutfluß
in den großen zuführenden Gefäßen muß sich nicht unbedingt bemerkbar machen.
Durch eine große Anzahl an Kapillaren reduziert sich der Gefäßwiderstand
im Strombett. Daraus leitet sich also die Begründung ab, nur den geringsten
gemessenen Resistenzindex in die Diagnostik einzubeziehen. Die klinische
Erfahrung rechtfertigt dieses Vorgehen.
Diskussion:
Die
farbkodierte sonographische Untersuchungen kann die Tumordifferenzierung
der Brustdrüse in ihrer Sicherheit verbessern.
Die zusätzliche Farbdarstellung konnte die Treffsicherheit in der Dignitätsbeurteilung
bei malignen Mammatumoren um 12,4 % steigern, bei benignen Prozessen ergab
sich eine Steigerung um 14,8 % im Vergleich zur alleinigen Darstellung
im üblichen B-Bild. Im Hinblick auf die benignen Tumoren ist die Spezifität
der ausschließlichen B-Bild-Sonographie bzw. der ausschließlichen Farbsonographie
identisch, nämlich jeweils 70,1 %. Erst die Kombination beider Verfahren
bedeutet eine Verbesserung der Treffsicherheit auf 90,1 %.
Beide
Verfahren sind folglich keine alternativen Methoden, sondern ergänzen
sich in ihrer Aussagekraft und erreichen in Kombination eine Spezifität
von über 90 %.
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Quelle/Für den
Inhalt verantwortlich: Dr. Harald Kirchler, Facharzt für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe
Datum der letzten inhaltlichen Aktualisierung / Revision: Oktober
2003 |
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