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Amalgam – heute noch aktuell?

Dr. Thomas Steinhauser, Facharzt für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde


Seit Jahren im Gerede wird Amalgam auch heute noch von vielen Zahnärzten verwendet. Amalgam, ein Gemisch aus Quecksilber und anderen Metallen ( Silber, Zinn und Kupfer etc.), ist bereits seit langem bekannt. Bereits 1528 wurde eine Kupfer-Quecksilberlegierung als Zahnfüllung in der medizinischen Literatur erwähnt. Man hat damit neben Gold als Füllungswerkstoff die längsten Erfahrungen und weiß über die Vor- und Nachteile des Amalgams recht gut Bescheid. Trotzdem tauchen immer wieder berechtigte Fragen über die Verträglichkeit von Amalgam auf. Das Gesundheitsbewusstsein ist gerade im Hinblick auf Umweltbelastungen durch Schwermetalle in den letzten Jahren stark gestiegen.

Den größten Anteil an Quecksilber nimmt der Mensch heute durch die Umweltverschmutzung über die Atemluft (durch Industrieabgase und Brennstoffe) und über die Nahrungskette mit Fisch (Thunfischkonserven), Obst oder Milch etc. auf. Es gibt auch natürliche Quellen wie Vulkanausbrüche, bei denen Quecksilber in die Umwelt gelangt.

Durch Füllungen werden pro Jahr bis zu 3,6 mg im Körper freigesetzt, wobei die höchste Belastung bei einer frischen Füllung zu messen ist. Bereits nach einigen Tagen ist die Quecksilberfreisetzung aus der Füllung extrem gering. Die Höchstdosis der Qecksilberaufnahme der WHO liegt bei ca.16 mg pro Jahr.

Trotzdem ist eine eingeschränkte Verwendung von Amalgam durchaus sinnvoll. Nicht mehr eingesetzt werden sollte Amalgam bei Milchzähnen, bei Schwangeren und stillenden Müttern, bei bestimmten neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, sowie bei nachgewiesener Amalgamunverträglichkeit.

Eine eigentliche Quecksilberallergie ist allerdings selten und kann durch einen Hauttest (Epikutantest) nachgewiesen werden. Viele Symptome wie Appetit- und Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Leistungsabfall, Depressionen, Übelkeit, Durchfall, Kopfschmerzen, und lokale Reaktionen wie Geschmacksstörungen, Zungenbrennen werden heute dem Amalgam angelastet, der Nachweis ist aber schwierig.

Da beim Legen und Entfernen der Amalgame am meistem Quecksilber freigesetzt wird, sollte in diesen Fällen neben guter Absaugung der Amalgamreste ein Latextuch (Kofferdam) verwendet werden.

Heute wird deshalb vielfach nach der Entfernung der Amalgamfüllungen eine Ausleitungstherapie durchgeführt, um das im Körper gespeicherte Quecksilber zu eliminieren. Dabei wir durch homöopathische Medikamente oder sogenannte Komplexbildner (bilden mit Schwermetallen feste Verbindungen) die Ausscheidung des in den Organen gespeicherten Quecksilbers gefördert (Entgiftung).

Amalgam ist in der Kombination Kaudruckstabilität, einfache Verarbeitung und geringe Kosten immer noch günstig, es gibt aber bereits genügend alternative Füllungsmaterialien, um in Zukunft auf Amalgam verzichten zu können. Neben Gold und Keramik kommen immer mehr Kunststoffmaterialien auf den Markt, die bei entsprechender Verarbeitung dem Amalgam vorzuziehen sind. Amalgam sollte in Zukunft überflüssig werden. Wenn man neben dem gesundheitlichen Aspekt auch ästhetische Kriterien anlegt, so sind weiße Kunststofffüllungen und Keramik, aber auch eine sauber verarbeitete Goldfüllung dem Amalgam jedenfalls deutlich überlegen. Zusätzlich kann mit im Zahntechnischen Labor hergestellten Füllungen (Keramik, Gold, best. Composites) eine Verbesserung der Zahnfunktion durch Veränderung der Zahnform erreicht werden.

Das langfristige Ziel muss allerdings eine Reduzierung der Karies, und damit der Notwendigkeit für eine Kariestherapie mit verschiedenen Füllungsmaterialien sein. Das kann man durch regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt, verbesserte Mundhygiene von Kindheit an, sowie durch zahngesunde Ernährung erreichen.

Bei offenen Fragen zu diesem Thema wenden Sie sich bitte an Ihren Zahnarzt.


Quelle/Für den Inhalt verantwortlich: Dr. Thomas Steinhauser, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Datum der letzten inhaltlichen Aktualisierung / Revision: September

 

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Department für Medizinische Statistik, Informatik und Gesundheitsökonomie